Nachgefragt – Interview mit Marlies Lüer

Interview mit Marlies Lüer

Marlies Lüer

Liebe Marlies,

vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Ich habe Dich als eine Autorin kennengelernt, die mit Herz und Seele schreibt. Was hat Dich dazu bewogen Bücher zu schreiben und woher nimmst Du die Ideen für Deine Bücher? Welches war Dein erstes Buch?

Liebe Burga, ich danke für Dein Interesse an meiner Arbeit. Mein erstes Buch war „Miras Welt“, das später noch einen Untertitel bekam: Engelshauch und Kaffeeduft. Es ist ein Trost- und Mutmach-Buch, insbesondere für Trauernde. Ich hatte gar nie die Absicht, eine echte Schriftstellerin zu werden. Eigentlich hatte ich ja mein Ziel erreicht. Aber dann war ich plötzlich der Meinung, dass die Buchfigur Melissa mehr Aufmerksamkeit verdient hätte und schrieb ihr Leben fort. Und weil mich viele Leser auf die Rezepte in den Büchern ansprachen, schrieb ich schließlich ein passendes Koch- und Backbuch dazu: „Geheime Rezepte der Lindenhaus-Frauen“. Was soll ich sagen? Die Töchter von Melissa, Hannah und Miranda bekommen nächstes Jahr auch ihr eigenes Buch. Aber dann war’s das auch mit dem Lindenhaus! Abgesehen davon, dass ich schon am zweiten Kochbuch schreibe.
Mittlerweile war meiner Fantasie Tor und Tür geöffnet und ich fand Freude am Fantasygenre. So entstanden die Drachenschwert-Trilogie und der Einzelband „Feuerträne und Drachenperle“. Und das ist noch nicht alles!

Haben alle Deine Bücher autobiografische Elemente?

Alle wohl nicht, nein. Wenngleich immer ein Stück meiner Seele mit drinhängt, in jeder Geschichte. Am ähnlichsten sind mir Mira und Melissa, in diesen Bücher steckt sehr, sehr viel von mir!

Bist Du mit Herz und Seele Selfpublisherin oder würdest Du bei Gelegenheit auch zu einem Verlag wechseln?

Anfänglich war ich nacheinander bei zwei Kleinverlagen. Das hat sich „nicht gelohnt“, will ich mal sagen. Der Verdienst eines Jahres war weitaus geringer als der jetzige Umsatz eines Monats! Es zahlt sich aus, wenn man ein Selfpublisher („Indie-Autor“) ist und die Verantwortung allein trägt und lernt, jeden Arbeitsschritt selber zu tun. Allerdings kaufe ich die Cover ein, dafür habe ich weder Talent noch die nötige Technik.
Ich muss sagen, dass ich an jedem einzelnen Buch sehr hänge und nur ungern es aus meinen Händen gehen lassen möchte. Da müsste ein Verlag schon eine sehr hohe Summe an mich zahlen. Ich rechne aber nicht damit, von einem großen Verlag angesprochen zu werden.

Glaubst Du, dass das Taschenbuch irgendwann eventuell vom Markt verschwinden wird? Deine Bücher gibt es ja sowohl als E-Book als auch als Print. Wenn Du Dich für eine Variation entscheiden müsstest, welcher würdest Du den Vorzug geben?

Nein, das denke ich nicht! Das Taschenbuch ist viel zu beliebt bei Lesern. Es gäbe eher einen Aufstand, glaube ich, wenn man zukünftig nur noch die Wahl zwischen Hardcover und eBook hätte. Ich möchte mich nicht für das eine oder andere entscheiden müssen. Print und eBook ergänzen einander.

Man sagt Autoren nach, dass sie zwar gut schreiben, aber recht „mundfaul“ sein sollen, kannst Du das für Dich bestätigen?

Jetzt muss ich lächeln. Das habe ich ja noch nie gehört! Könnte aber was dran sein. Ich bin nicht gerade eine „Party-Löwin“.

Hast Du manchmal Schreibblockaden und wie gehst Du dann damit um?

Nein, die habe ich nicht. Ich muss mich eher „bremsen“. Natürlich gibt es Zeiträume, in denen anderes wichtiger ist, und dann gibt es eben mal eine Schreibpause.

Hast Du auch so etwas wie Lampenfieber?

Lampenfieber? Sprichst du jetzt Lesungen an? Ja, da hätte ich Bammel, das liegt mir so gar nicht. Ich mache maximal sogenannte Wohnzimmerlesungen, aber auch nur bei Menschen, die ich gut kenne.

Liest Du selber viel und gibt es ein Lieblingsbuch?

Ich lese sehr gern und eigentlich auch „viel“ – aber seit ich schreibe, komme ich kaum noch zum Lesen. Darunter leiden viele Autoren. Ich nehme mir aber jedes Jahr eine gezielte Auszeit, in der ich nicht schreibe und auch nicht über neuen Stoff nachdenke. Dann wird nur gelesen! Es ist allerdings schwieriger geworden zu lesen, denn als Autor – insbesondere, wenn man auch noch als Lektor arbeitet – liest der innere Zensor mit und meckert und findet Fehler. Das ist sehr lästig! Das passiert allerdings nicht, wenn ein Buch so richtig, richtig gut ist!

Was fasziniert Dich an Büchern?

Dass sie Raum bieten für die Freiheit des Geistes, für Kommunikation, für neue geistige Impulse, für Reisen ohne den Raum zu verlassen.

Verdienst Du Deinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Büchern? Gibt es andere Projekte?

Ich bin verheiratet und somit finanziell abgesichert. Mein Schreiben und Lektorieren ist zum Glück nichts, was mich zwingt, erfolgreich zu sein. Ich kann das ganz entspannt und freudig angehen, ohne Erfolgsdruck. Ich glaube, genau daher rührt auch mein Erfolg – weil ich mich fallen lassen kann. Dafür bin ich sehr dankbar.


Arbeitest Du gerade an einem neuen Buch und magst Du uns kurz etwas über den Inhalt verraten?


In der Tat arbeite ich an einem neuen Fantasyroman. Er ist fast fertig, wird gerade von mir überarbeitet und hat zwei Testleserprüfungen hinter sich gebracht. Der Titel lautet: „Kristallseelen“. Dir Vorgeschichte dazu kann man jetzt schon im Blog lesen auf der Website

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Es handelt sich um eine Geschichte in einer mittelalterlichen Welt, wo Magie zum Guten oder auch Schlechten gebraucht wird. Eine Welt, die Helden braucht, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Der Holderforst ist Schauplatz, ebenso die Schwarzburg, ein lebender Berg … und die Leser werden den schaurigen Etunaz begegnen!
In der Vorgeschichte ist die Welt der Zwillingsprinzen noch in Ordnung, bis … tja, bis das Unfassbare geschieht.
Im Mittelpunkt steht aber ein ganz und gar ungewöhnliches Liebespaar.
Mehr sage ich dazu jetzt nicht!

Wann wirst Du Dein neues Buch veröffentlichen?

Geplant war September 2016. Aber da ich so gut vorankomme mit allem, könnte es auch schon vielleicht im August in die Shops kommen. Wie immer wird der geneigte Leser es als eBook (epub/mobi) und Taschenbuch vorfinden.

Vielen Dank für deine Fragen, liebe Burga! Ich habe sie gern beantwortet.

Du wolltest noch etwas zu meiner Person wissen: Ich bin gebürtige Niedersächsin (*1961), lebe aber nun mit meinem Mann in Baden-Württemberg. Mein ursprünglich erlernter Beruf war Arzthelferin – aber den übe ich schon lange nicht mehr aus. Wir haben hier eine neue Heimat gefunden, und auch einen Garten – das ist uns sehr wichtig. Wir gärtnern mit Herz und Seele. Unser ältester Sohn lebt und arbeitet in Hamburg. Wir bekommen ihn leider nicht mehr oft zu Gesicht.

Fellbach, den 27.06.16

Danke Marlies!

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Eine Antwort auf Nachgefragt – Interview mit Marlies Lüer

  1. Gabriela sagt:

    Liebe Burga,
    ein schönes Interview mit einer tollen Frau.
    Ich glaube, ich könnte dir stundenlang zuhören, liebe Marlies – aber auch sicher sehr interessante Gespräche führen.
    Deine beiden Mira- und Melissa-Bücher habe ich verschlungen. Ich weiß, ich sollte eine Rezension schreiben – ich tu mich so schwer damit.
    Zu meiner Freude habe ich gelesen, dass du noch nicht am Ende bist mit der Reihe. Das ist super.

    Fantasie ist nicht so meins – aber wer weiß, vielleicht packt es mich ja doch mal. Kristallseelen klingt sehr vielversprechend.

    Schön, dass du schreibst, liebe Marlies – ich mag dich sehr gerne (sofern man das sagen kann, obwohl man einem Menschen nicht im realen Leben begegnet ist).
    Alles Gute für dich und weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern.

    Herzliche Grüße an dich, liebe Burga und danke, dass du das Interview geführt hast – und herzliche Grüße an dich, liebe Marlies.

    Gabriela

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